Ketamin: Schmerzmittel, Narkotikum und Droge

September 18, 2018 1 Von admin

Seit einiger Zeit ist mit Ketamin in Deutschland, Österreich und der Schweiz neben Ecstasy und Crystal Meth eine weitere Modedroge in Umlauf. Die Drogenbehörde der USA warnte schon vor zwanzig Jahren vor dem stetig steigenden Missbrauch. Nun erreicht der Trend Europa. Wer die Substanz ausprobieren will, fragt den Dealer seiner Wahl oder versucht es bei Online-Anbietern. Der Konsum führt zu Halluzinationen, die mit einem Gefühl der Ich-Entgrenzung und Ich-Auflösung verbunden sein können. Viele Nutzer lassen die Risiken, die der Droge innewohnen, außer Acht.

Ketamin in der Medizin

Ketamin ist der Wissenschaft seit 1963 bekannt. Anfangs setzte man es als Narkosemittel ein. In der Notfallmedizin, wo ein rascher Eintritt der Wirkung erwünscht ist, verwendet man es bei sehr starken Schmerzen sowie beim Polytrauma noch heute als Schmerzmittel und Narkotikum (siehe dr-gumpert.de). Eine weitere Indikation liegt bei schwerem  Asthma, wenn die Anfälle über einen Zeitraum von 24 Stunden andauern (Status asthmaticus). Es gibt jedoch auch Fälle, wo auf die Anwendung dieses Mittels zu verzichten ist. Dazu zählen nicht nur verschiedene Erkrankungen des Herzens, sondern auch hoher Blutdruck, Aortenaneurysmen, Katecholaminüberschuss, Eklampsie, Überfunktion der Schilddrüsen, perforierende Verletzungen der Augen, grüner Star, drohende Uterusruptur, Nabelschnurvorfall sowie einige psychiatrische Erkrankungen. Die möglichen Risiken für den Patienten wären in diesen Fällen zu hoch.

Party- und Modedroge

Gerade wegen der in der Medizin unerwünschten Nebenwirkungen ist Ketamin für die Drogenszene interessant. Dort wird es unter vielen verschiedenen Namen gehandelt. „Special K“, „Kate“ oder „Vitamin K“ sind nur einige davon. Die Droge weist in ihrer Struktur viele Ähnlichkeiten mit dem vor allem in den USA weit verbreiteten PCP (Phencyclidin; Angel Dust) auf. Bei geringer Dosierung kann es bereits zu starken optischen und akustischen Halluzinationen kommen. Diese gehen mitunter mit einem Gefühl der Ich-Auflösung oder Ich-Entgrenzung einher. Der Anwender erlebt einen Wechsel oder eine Veränderung in Bezug auf das normale psychologische Funktionieren (das Bewusstsein).

Im besten Fall nimmt der Konsument angenehme Gefühle wahr. Diese können sich zum Beispiel in Form grenzenloser Freude, tiefen inneren Friedens oder umfassender Liebe zeigen. Viele Nutzer berichten von einem Verschmelzen mit sich und der Welt, der Befreiung von den Beschränkungen von Raum und Zeit, Ahnungen einer höheren Wirklichkeit und spirituellem Erleben. Durch eine zu hohe Dosierung oder ein schlechtes Setting können die als positiv erlebten Gefühle jedoch schnell in einen Horrortrip umschlagen. In diesem Zustand überwiegen die durch Angst dominierten Komponenten. Ausgelöst werden sie durch die Furcht vor dem Verlust der normalen Fähigkeiten des Wachzustandes bis hin zu einer völligen Bezugslosigkeit zu sich und der Welt. Immer wieder sind medizinische Notaufnahmen mit solchen Fällen konfrontiert. Die Behandlung erfolgt meist durch eine Sedierung. Dazu eignen sich zum Beispiel Benzodiazepine und Neuroleptika.

Angebote abseits der Apotheke

Die Konsumenten sind meist unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen beiderlei Geschlechts zu finden. Als Bezugsquelle nutzen sie immer öfter das Internet. Zwar kann man auch auf der Straße Ketamin kaufen, doch dort besteht die Gefahr, zu überhöhten Preisen schlechte Qualität oder unerwünschte Wirkstoffe zu erhalten. Online scheint die Produktsicherheit besser zu sein. Testbestellungen verschiedener Drogenberatungszentren haben ergeben, dass ca. 90 % der Produkte aus der medizinischen Produktion stammen.


Ketamin Strukturformel