Tilidin und Alkohol: mehr Nebenwirkungen

Tilidin und Alkohol: mehr Nebenwirkungen

Oktober 22, 2019 0 Von Horst Richter

Der Pro-Kopf-Verbrauch an Schmerzmitteln ist in Deutschland inzwischen fast so hoch wie in den USA.  In der Apotheke gibt es zwar einige Präparate rezeptfrei, doch deren Wirkung ist in vielen Fällen nicht stark genug. Bei Schmerzen mit mittlerer bis hoher Intensität verschreiben Ärzte oft Tilidin, weil es sehr zuverlässig wirkt. Zugleich ist in Deutschland der Alkoholkonsum viel zu hoch, auch unter Schmerzpatienten. Wer Tilidin und Alkohol gleichzeitig konsumiert, riskiert eine gefährliche Verstärkung der Wirkungen beider Substanzen.

Tilidin verstärkt die Wirkung von Alkohol

Tilidin entfaltet seine Wirkung im zentralen Nervensystem des Menschen. Es sorgt dafür, dass jene Reize, die für die Übertragung des Schmerzempfindens verantwortlich sind, nicht oder nur in abgeschwächter Form das Gehirn erreichen. Außerdem hat es, wie alle Substanzen aus der Gruppe der Opioide, einen dämpfenden Effekt, ähnlich wie Alkohol. Nimmt man Tilidin und Alkohol zur gleichen Zeit, führt das zu einer Verstärkung der Alkoholwirkung. Es kommt zu einem intensiveren Rausch und man wird schneller betrunken.

Gefährlich ist das unter anderem für Verkehrsteilnehmer. Viele Deutsche sind es gewohnt, nach dem Genuss einer geringen Menge Alkohol noch mit dem Auto zu fahren. Normalerweise ist man nach einem Bier oder einem Glas Wein noch dazu in der Lage. Durch die Kombination mit Tilidin kann jedoch das Reaktions- und Urteilsvermögen so stark herabgesetzt sein, dass es besser wäre, das Auto stehen zu lassen.

Alkohol verstärkt die Wirkung von Tilidin

Beim Konsum von Tilidin und Alkohol kann sich auch die Wirkung des Schmerzmittels verändern. Das zeigt sich häufig in einer Verstärkung der klassischen Nebenwirkungen von Tilidin. Unerwünschte Effekte wie Übelkeit, Müdigkeit, Schwindel oder Kopfschmerzen treten verstärkt auf und halten länger an. Bei manchen Patienten kommt es zu Halluzinationen, andere erleiden starke Stimmungsschwankungen oder beginnen zu zittern. Auch die Atmung wird beeinträchtigt. In hoher Dosierung kann eine Atemdepression entstehen, die ins Koma und im schlimmsten Fall zum Erstickungstod führt.

Schwerstarbeit für die Leber

Tilidin hat in der Form, wie es in Tabletten, Kapseln oder Tropfen enthalten ist, keinerlei Wirkung. Es handelt sich um eine sogenannte Prodrug. Erst in der Leber wird ein wirksames Schmerzmittel daraus: Nortilidin. Das dauert in der Regel zwischen 10 und 20 Minuten. Was passiert aber, wenn die Leber gerade mit dem Abbau von Alkohol beschäftigt ist? In diesem Fall kann sich die Umwandlung des Opioids verzögern. Manche Patienten denken dann, dass das Schmerzmittel nicht richtig wirkt. Wer es nicht besser weiß, erhöht nun eventuell die Dosis, indem er eine weiter Tablette nimmt. Das bringt im Hinblick auf die Schmerzlinderung nicht viel. Die erhöhte Dosis verstärkt jedoch die Nebenwirkungen und kann – vor allem bei Präparaten ohne Naloxon – in einer lebensgefährlichen Überdosis resultieren.

Erhöhtes Risiko für Abhängigkeit

Tilidin macht abhängig, Alkohol ebenso. Wenn man beide Substanzen gleichzeitig konsumiert, ist mit einem erhöhten Abhängigkeitsrisiko zu rechnen. Das Trifft nicht nur auf Personen zu, die Tilidin wegen seiner berauschenden Wirkung missbrauchen. Es kann genauso bei jedem Schmerzpatienten passieren, der immer nur die vom Arzt verschriebene Dosis einnimmt und dazu ein alkoholisches Getränk genießt.

Risiken vermeiden

Der gleichzeitige Konsum von Tilidin und Alkohol birgt viele Gefahren und Risiken. Um die Schmerztherapie gesund zu überstehen, hilf oft nur ein völliger Verzicht auf Alkohol. Der entsprechende Hinweis in den Packungsbeilagen der meisten Tilidin-Präparate lautet: „Bitte verzichten Sie auf alkoholische Getränke und Speisen, solange Sie das Arzneimittel einnehmen.“ Diese Empfehlung gilt übrigens für alle Medikamente aus der Gruppe der Opioide und darüber hinaus auch für die meisten rezeptfreien Schmerzmittel.

Alkohol und andere Schmerzmittel

Schmerzmittel (auch rezeptfreie) und Alkohol sind eine gefährliche Mischung, die generell zu vermeiden ist. Die Medikamente werden – ebenso wie Alkohol – in der Leber abgebaut, wobei oft sehr giftige Zwischenprodukte entstehen. Je schneller diese in ungiftige Verbindungen umgewandelt werden, desto besser. Eine zweifache Belastung durch Medikamente und Alkohol beansprucht nicht nur die Leber, sondern kann durch den längeren Verbleib von giftigen Abbauprodukten im Organismus auch anderen Organen schaden.

Viele rezeptfreie Schmerzmittel – unter anderem Aspirin und Ibuprofen – greifen die Schleimhaut des Magens an. Alkohol hat eine ähnliche Wirkung. Darüber hinaus fördert er die Produktion der sehr aggressiven Magensäure. Die Folge: Übelkeit, Erbrechen, Magengeschwüre und Blutungen. Wer kein Risiko eingehen möchte, wartet mit dem Glas Wein einfach bis zum nächsten Tag. Maßgebend ist nämlich der zeitliche Abstand. Je mehr Zeit zwischen der Einnahme eines Schmerzmittels und dem Konsum von Alkohol vergeht, desto geringer ist das Risiko, dass es zu gefährlichen Neben- oder Wechselwirkungen kommt.


Symbolbild "Tilidin und Alkohol"

Schmerzmittel und Alkohol sind eine gefährliche Mischung.


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